Was brauchen wir wirklich?

Werfe Deinen Ballast ab!

Zu viel Besitz kann auch belastend sein.

Was brauchen wir wirklich und was schleppen wir unnötig mit uns rum?

Gibt es bei Euch auch Schubladen und Schranktüren, die Ihr lieber wieder ganz schnell schließt?

Oder habt Ihr einen Abstellraum und den Überblick verloren, was sich alles darin befindet?

 

Matthias und ich haben uns kennengelernt, als ich 32 war. Natürlich hatte jeder von uns einen vollständigen Haushalt und als wir nach einem halben Jahr zusammenzogen, landete ganz viel, was wir doppelt hatten oder was wir nicht oft in Gebrauch hatten, in Kisten und wurde im Keller verstaut. Über die Jahre kamen immer wieder Dinge dazu, die in den Keller wanderten. Zum Beispiel der alte Fernseher, der dem neuen weichen musste und so weiter und so fort. Ihr wisst sicher was ich meine.

 

Immer wenn ich in den Keller ging, fühlte ich mich unwohl. Die vielen Kisten engten mich ein und mich gruselte es nur bei dem Gedanken, irgendwann mal umzuziehen.

 

Ebenso ging es mir, wenn ich in meinen Kleiderschrank schaute. Massig Kleider obwohl ich doch meistens nur ein paar ausgewählte Lieblingsstücke trage. Matthias und ich träumen schon lange davon, irgendwann unsere Wohnung aufzulösen und ein paar Monate durch die Welt zu reisen und das unnötige Zeug fühlte sich wie Gewichte an den Beinen an.

 

Also knöpften wir uns jede Kiste vor und sortierten radikal aus. Alles was länger als 2 Jahre unbenutzt im Keller wohnte, wurde verkauft, verschenkt oder entsorgt. Später nahmen wir uns die Küchenschränke vor. Utensilien, die wir nie in Gebrauch hatten und alte Töpfe, die sowieso nicht mehr mit unserem Induktionsherd kompatibel waren, wanderten aus unserem Bestand. Danach waren die Kleiderschränke dran.

 

Natürlich gingen hierbei etliche Abende drauf, doch erst mal angefangen mit der Arbeit, waren wir richtig motiviert und fühlten uns mit jedem abgeworfenen Ballast leichter, befreiter und verspürten sogar Stolz. Mir kam dann auch ein Seminar in den Sinn, an dem ich mal teilnahm. In einem Teil des Vortrags ging es darum, wie gut es sich anfühlt Ordnung in seinem Umfeld zu schaffen und das sich dies tatsächlich positiv auf die Psyche auswirkt. Und das können wir nur bestätigen.

 

Kennt Ihr das auch? Schreib uns :-) wir sind gespannt auf Deine Meinung.

 

Liebe Grüße

Inka

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Kommentare: 5
  • #1

    Patrick (Sonntag, 14 August 2016 13:13)

    Hi,

    Kenne ich, bzw. das ist bei mir noch viel extremer. Das ich Toepfe mit mir rumschleppe von denen ich weiss, dass sie mit meinem Herd inkompatible sind, waere beispielsweise undenkbar. Auch ist mein Limit in der Regel ein Jahr. Keller gibt es keine in Japan, Platz ist Mangelware und nach circa 40 Umzuegen lebe ich nach dem Motto "when you doubt, chuck it out" (egal ob das Jahr abgelaufen ist oder nicht). Sprich, sobald Du nur ansatzweise darueber nachdenken musst, ob Du diesen oder jenen Gegenstand irgendwann wieder brauchst, gib ihn her oder weg damit. Das funktioniert wunderbar und ich habe es bisher noch nie bereut, und das schoene ist, Du sparst Zeit und musst Dich nicht gedanklich mit Gegenstaenden auseinandersetzen (Balast 2.0). Zugegeben, diese Philospophie wird auf Grund der angespannten Wohnraumsituation in Tokyo auch zwangslaeufig gelebt, aber ich persoenlich muesste mich nicht nach ihr richten. Zwanglaeufig fuehrt diese Art zu Leben auch dazu, dass nichts Neues mehr angeschafft wird, denn auch Neue Sachen enden frueher oder spaeter auf El Mull Haldo (Balast 3.0). Das spart nicht nur Geld, sondern eben auch extrem viel Zeit, soll ich jetzt die braunen oder schwarzen Schuhe kaufen (vernichte einen Sonntag im Einkaufszentrum) und die braucht man schliesslich fuer die wichtigen Dinge im Leben.

  • #2

    Inka (Montag, 15 August 2016 11:09)

    Hallo Patrick, ja was Platz angeht sind wir hier in Deutschland sehr verwöhnt. Danke für Deinen Kommentar, ich finde das regt noch mehr zum Nachdenken an. Aber was ich noch merkwürdiger finde, dass viele Menschen sehr hart arbeiten um sich noch mehr Dinge anzuschaffen, die Sie dann nur selten genießen können, weil so viel arbeiten. Statt wie Du sagst ... mehr Zeit für die wichtigen Dinge zu investieren.
    Ich wünsche Dir eine schöne Zeit :-)

  • #3

    Patrick (Dienstag, 16 August 2016)

    Ich wundere mich nicht. Unser komplettes System fusst auf genau diesem Prinzip. Wenn keiner mehr arbeiten moechte, um sich noch mehr leisten zu koennen, dann kommt die Maschinerie ins stottern. Das taegliche Theaterstueck mit dem Thema Glueck , dass man mit Geld kaufen kann ist wichtig, um das System am leben zu halten. Das ist ein Teil des Amusements und wird gebraucht, damit das Hamsterrad sich weiterdreht. Stichwort Karotte und Esel. Menschen werden genauso wie Kuehe, Schweine etc. gezuechnet, und sind der Schmierstoff in diesem Systems. Nur wenige durchschauen es und es ist zugegebenermassen schwierig, diesem Theaterstueck zu entkommen, denn wir werden ueberall 24/7 in Sachen Glueck geschult und berieselt. Fernsehen, Internet etc. sind die Helfer und werden von uns allen genutzt. Es ist oft schwierig diesen kritisch gegenueber zu stehen und nicht darueber nachzudenken ist einfacher. Leider sind wir bereits am Limit und wir alle wissen, dass unser gute, alte Erde bald den Geist aufgibt, wenn wir unsere Ansprueche nicht zurueckschrauben. Ach ja, und natuerlich gibt es auch die, fuer die Mehr Arbeiten = Mehr Leben bedeutet. Nicht bei Lidl oder auf der Baustelle, aber z.B. bei mir in der Firma. Sie konsumieren meist nur, um andere gluecklich zu machen, denn ihre Arbeit gibt ihnen bereits das, was sie brauchen. Selbstlos, aber eben nicht kritisch genug und ohne den Drang die Dinge zu hinterfragen.

  • #4

    Inka (Genuss-Nomaden) (Dienstag, 16 August 2016 11:07)

    Das sind Dinge, die uns in letzter Zeit auch sehr beschäftigen. Diese Manipulation geht uns richtig auf die Nerven, daher schauen wir kaum noch TV, nur noch ausgewählte Sachen. Die Werbung sagt uns, was uns glücklich macht oder was lebensnotwendig ist und hier sind wir wieder beim Thema Ballast. Es wird kräftig konsumiert. Ich kenne Leute die so richtig unglücklich sind, weil sie so viel arbeiten. Sehen aber keinen Ausweg, weil sie ihren Lebensstandard halten möchten. Es ist schwierig aus diesem Hamsterrad auszusteigen. Da spielt auch Angst eine große Rolle, daher verdienen auch Versicherungen so gut. :-) Viele streben auch einfach nur nach Anerkennung, ging mir auch lange so. Aber erfüllt war ich trotzdem nie. Mit Matthias bin ich ständig draußen in der Natur und das hat mir gezeigt, wie wenig man braucht um happy zu sein.

  • #5

    Roswitha (Donnerstag, 23 Februar 2017 08:05)

    Liebe Inka,
    habe gerade deine Artikel über Ballast gelesen.
    Mit meiner Tochter zusammen habe ich gerade diese Woche unsere Kleiderschränke gemistet.
    Wir bekamen 16 Säcke Altkleidung zusammen, ich dachte ich träume:)
    Ich kaufe seit etwa 1994 nur Naturtextilien meist bei Hess oder Maas-Natur ein, war sehr zufrieden mit meiner Entscheidung und fühlte mich gut ökologisch und faire Kleidung zu kaufen.
    Dies habe ich auch über die Ganzen Jahre beibehalten und jetzt immer noch, mit dem Unterschied, dass ich wirklich auch da nur noch sehr wenig kaufe, weil ich einfach nicht viel brauche. Damals ließ ich mich von dem Gefühl verführen, je mehr desto besser für uns und alle daran Verdienenden. Ich hortete, weil man könnte es ja irgendwann nochmal brauchen und es hat ja auch viel Geld gekostet. Der Kleiderschrank wurde immer voller. Jetzt war Schluss, alles Alte was zum Teil noch fast neu war, ich aber nie anzog, wurde nun entsorgt.
    Verkaufen konnte ich nichts mehr, weil die Schnitte der Anfangsjahre noch total daneben waren, alles weit und unförmig. Nun bin ich froh aufgeräumt zu haben, und in Zukunft werde ich mehr sehr gut überlegen was "notwendig" ist und was nicht. Auch die ökologischen Anbieter sind so drauf "Werbung, Werbung, Werbung"
    Das Internet ist ja die beste Plattform dafür.
    Liebe Grüße, Roswitha

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